Entomologischer Verein Stuttgart 1869 e.v.

Arbeitsgemeinschaft Südwestdeutscher Koleopterologen

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Verzeichnis und Verbreitungsatlas der Käfer Deutschlands

Mit der Online-Version des "Verzeichnis der Käfer Deutschlands" unter http://colkat.de werden Statusänderungen, ergänzende Meldungen und Korrekturen zeitnah allen Interessierten zugänglich gemacht. Das Verzeichnis ist eine Online-Datenbank, die dezentral von den jeweiligen Regionalbearbeitern gewartet und damit aktuell gehalten werden kann.

Für jeden Besucher ist der aktuelle Datenstand als Tabelle und als Deutschlandkarte einsehbar, einschließlich der dahinter liegenden Quellenangaben zu den jeweiligen Status-Einträgen. Man kann von der Deutschlandkarte zur genaueren Regionalkarte wechseln.

Besucher haben die Möglichkeit, selbst Funde direkt in die Online-Datenbank einzugeben. Dafür muss man sich angemeldet. Der Fundpunkt erscheint danach sofort auf der Karte. Neufunde werden vom jeweiligen Regionalbearbeiter geprüft.

Vom Verzeichnis der Käfer Baden-Württembergs
zum Deutschlandverzeichnis online

Artenverzeichnis der Käfer Baden-Württembergs

Das älteste erwähnenswerte Käferverzeichnis stammt von v. Roser (1838) und enthält 2.071 Arten. Keller (1864) übernahm diese Meldungen und veröffentlichte insgesamt 2.243 Arten. Außer dem veröffentlichten u. a. L. H. Fischer (1843) und F. Hartmann (1897-1926) Zusammenfassungen über die badische Käferfauna.  Daneben gibt es noch diverse Oberamtsbeschreibungen, in denen auch Käfer aufgeführt sind. Die umfangreichste stammt aus dem Jahr 1897 und meldet für das Oberamt Ulm 1.810 Arten, die hauptsächlich aus der Sammlung Hüeber stammen. Im Jahre 1929 publizierte A. v. d. Trappen die letzte umfassende Publikation über die Käferfauna von Württemberg. Darin waren 3.800 Käferarten verzeichnet.

Als Basis für die jetzigen, weitergehenden Untersuchungen diente HORION (1951) mit seinem Verzeichnis der Käfer Mitteleuropas. Die dort angegebenen Meldungen sind den damals noch selbständigen Bundesländern Württemberg und Baden zugeordnet. Außer diesen Angaben sind auch teilweise Meldungen aus den später erschienenen Faunistikbänden Horions (1941 ff.) aufgenommen worden.

Der Großteil der Daten sind Meldungen zum Verzeichnis der Käfer Baden-Württembergs (Frank & Konzelmann, 2002), dem bei der Drucklegung mehr als 116.000 Einzelmeldungen auf Datenträger zugrunde lagen. Zielsetzung und Methodik dieser Arbeit möchten wir hier kurz erläutern:

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Südwestdeutscher Koleopterologen, die im Jahre 1958 ins Leben gerufen wurde, haben sich 1992 vorgenommen, eine aktuelle Bestandsaufnahme der Käfer Baden-Württembergs zu erarbeiten, die vornehmlich auf den Nachweisen zwischen 1950 und 1997 basiert. Da bei einem Käferverzeichnis der Gesamtüberblick und die Vollständigkeit des Arteninventars im Vordergrund stehen, wurden die Fundortangaben auf ein Minimum, d.h. auf die Anzahl der Fundorte einer bestimmten Art in den neun festgelegten Regionen des Landes reduziert. Jeder Mitarbeiter konnte Tiere melden, die seit 1950 von ihm selbst gesammelt wurden und sich in seiner Sammlung befinden. Tiere von Sammlern, die nicht zu den Mitarbeitern dieses Verzeichnisses gehören und die sich ebenfalls in seiner Sammlung befinden, konnten nur dann gemeldet werden, wenn sichergestellt war, dass kein weiteres Tier vom gleichen Fundort in der Sammlung eines anderen Bearbeiters vorhanden war. Die veröffentlichten Ergebnisse von 27 Gemeinschaftsexkursionen der Arbeitsgemeinschaft südwestdeutscher Koleopterologen wurden zentral erfasst und erscheinen nicht in den Meldungen der einzelnen Mitarbeiter, um Doppelerfassungen weitgehend auszuschließen.

Literaturangaben ab 1950 sind nur insoweit berücksichtigt, als die Autoren nicht Mitarbeiter zu diesem Käferverzeichnis sind, da solche Meldungen bereits im Rahmen der normalen Meldung erfasst worden sind. Da die Literaturerfassung durch Herrn Kostenbader noch nicht abgeschlossen ist, sind in der 1. Auflage des Verzeichnisses nur die Autoren mit den Anfangsbuchstaben A-G komplett berücksichtigt. Das Staatliche Museum für Naturkunde in Stuttgart stellte wichtige Daten anhand einer Fehlliste mit Stand vom 01.01.1996 zur Verfügung. In einer Datenbank in MS-DOS auf dBASE (DBF-Format) sind die Einzeldaten gespeichert, so dass jede Meldung bis hin zum Sammler zurückverfolgt werden kann.

Das Bundesland Baden-Württemberg wird in neun Regionen unterteilt, die mit dem Hinweis auf den jeweiligen Landesteil versehen sind, um Vergleiche gegenüber dem Horion-Verzeichnis zu ermöglichen. Die Grenzziehung zwischen den Landesteilen Baden und Württemberg erfolgt nach dem „Amtlichen Gemeindeverzeichnis Baden-Württemberg“ (1964), wie es von Buck (1984) für die Abgrenzung der Faunengebiete Baden (Ba) und Württemberg (Wt) im Sinne von Horion (1951) benutzt wurde. Folgende regionale Gliederung wurde gewählt: Rheinebene (Ba), Neckarland (Ba+Wt), Schwäbische Alb (Ba+Wt), Oberschwaben (Ba+Wt), S = Schwarzwald (Ba+Wt).

Die Zuverlässigkeit der Bestimmungen konnte selbstverständlich nicht in jedem einzelnen Fall überprüft werden, was auch nicht sinnvoll erscheint, da z.B. bei der Art Cicindela campestris weit über 100 Fundorte gemeldet sind und es somit unerheblich für die Aussagekraft einer Faunenliste ist, sollte hierunter die eine oder andere Fehlbestimmung sein. Alle Arten, von denen weniger als vier Fundorte vorliegen oder die nur von einem Sammler für Baden-Württemberg gemeldet sind, werden soweit möglich revidiert. Darüber hinaus ist die Nachprüfbarkeit jeder einzelnen Meldung Grundprinzip dieses Verzeichnisses. Insgesamt waren über 50 Kollegen/innen aus Baden-Württemberg an dieser Gemeinschaftsarbeit beteiligt. Deren Engagement wird im Verzeichnis der Käfer Baden-Württembergs ausführlich gewürdigt.
Das 2002 erschienene Buch „Die Käfer Baden-Württembergs 1950–2000“ von Frank & Konzelmann, das 4796 Arten enthält, war ein großer Fortschritt gegenüber den alten, nur Teilgebiete betreffende Verzeichnisse, hatte aber das Manko, dass mit den meist handschriftlich gefüllten Formularblättern keine genauen Funddaten erhoben wurden. Nur von besonders selten gemeldete Arten sind im Anhang die exakten Fundorte aufgelistet.

Eine Initiative der Arbeitsgemeinschaft südwestdeutscher Koleopterologen (ASK), mit einem speziellen Computerprogramm auf MS-DOS-Basis den Sammlern die elektronische Datenerfassung zu ermöglichen, verlief Jahre später im Sande. Ein neuer Anlauf mit einer mit Microsoft Access erstellten Datenenbankstruktur setzte sich dann durch. Nach und nach konnten die individuellen Funddaten zu einer baden-württembergischen Gesamtdatenbank (ASK-DB) zusammengeführt werden, die heute die Grundlage u. a. für die Checkliste und die Verbreitungskarten der baden-württembergischen Arten im Verzeichnis der Käfern Deutschlands online bilden.

Besonders hervorzuheben ist der engagierte Einsatz von Eberhard Konzelmann, der nicht nur viel Programmierarbeit leistete, sondern auch einen großen Pool an Funddaten, u. a. aus den ökologischen Untersuchungen von Harald Buck und seinen Mitarbeitern zur Verfügung stellte. Zudem ist die enorme Fleißarbeit von Hans Kostenbader von Bedeutung, der alle verwertbaren Käferdaten aus der Literatur erfasste und als dazu ein „Verzeichnis der Käferliteratur Baden-Württembergs von 1602 bis 2010“ erstellte.

Als weiterer Pfeiler der heimischen Käferforschung müssen die alljährlichen Exkursionen der ASK genannt werden, mittlerweile über 60, die meist in von Sammlern wenig frequentierte Landesteile führen. Diese Daten tragen zu einer gewissen Entzerrung wohnortorientierter Verbreitungsbilder bei und bringen immer wieder überraschende Neufunde ans Licht. Die zahlreichen faunistischen Untersuchungen von Uli Bense, u. a. in heimischen Bannwälder, erweitern kontinuierlich das Wissen insbesondere über die xylobionte Käferfauna. Hinzu kommen Meldungen von „Einzelkämpfern“ und von Kollegen aus anderen Bundesländern, die hin und wieder in Baden-Württemberg aktiv sind. Besonders hervorzuheben ist hierbei Klaus Renner mit seinen sehr reichhaltigen Autokescherfängen.

Eine Fülle von Informationen bergen die umfangreichen Monographien über die Pracht- und Hirschkäfer von BRECHTEL & KOSTENBADER (2002), die Rüsselkäfer und die Blattkäfer von RHEINHEIMER & HASSLER (2010, 2018), sowie die Laufkäfer von TRAUTNER (2017). Die Verbreitung der Weichkäfer Südwestdeutschlands von BRETZENDORFER (2017), erschienen in den Mitteilungen des Entomologischen Vereins Stuttgart, steht für eine von zahlreichen Publikationen zur Insektenfaunistik Baden-Württembergs.

Zum Schluss soll nicht unerwähnt bleiben, dass bei weitem nicht alle greifbaren Käferbelege erfasst werden konnten, aber durch das nun im Internet etablierte „Verzeichnis der Käfer Deutschlands“ ist eine kontinuierliche Weiterführung und Aktualisierung wesentlich komfortabler geworden.